Presseartikel

Rechner, Hand und Material - 21.06.2017

Rechner, Hand und Material

SCHWÄBISCH GMÜND Und was geht schief, wenn das handwerklich Erfahrungswissen fehlt? Um solche Fragen ging es beim Themenabend, zu dem die Wirtschaftsförderung Region Ostwürttemberg, die Kontaktstelle Frau und Beruf Ostwürttemberg und die Hochschule für Gestaltung geladen hatten. Über das Spannungsfeld zwischen Material und Digital konnten sich die Interessierten in Vorträgen und an Thementischen informieren.

Es war bereits die dritte Veranstaltung, die die drei Institutionen gemeinsam ausrichteten und die im Auditorium der HfG passend angesiedelt war. Schließlich, so Prof. Dr. Ralf Dringenberg in seiner Begrüßung, geht es bei Design nicht in erster Linie um Ästhetik, sondern der Nutzen steht im Vordergrund. Um den maximalen Nutzen zu erTeichen ist es nicht zuletzt nötig über die Eigenschaften des verwendeten Materials Bescheid zu wissen. In Verbindung mit der allgegenwärtigen Digitalisierung eröffnen sich neue, spannende Möglichkeiten.

Hannes Bäuerle, Geschäftsführer der raumPROBE in Stuttgart, ist der Herr über rund 60 000 Materialproben und somit die größte Materialbibliothek in ganz Europa. In seinem In1pulsvortrag „Material im Spannungsfeld von Tradition und Digitalisierung" erläuterte anhand einer Vielzahl von Beispielen seine Arbeit. „Keine Generation hatte so viel Materialien zur Verfügung wie wir", erklärte er „die Kunst ist es das richtige Material zu finden." Besonders gefragt sind die sogenannten „Smart materials". Materialien, die selbstständig auf verschiedene Einflüsse von außen reagieren, sich diesen anpassen und die sich dynamisch verhalten. Der Impuls, der auf das Material einwirkt kann dabei ganz unterschiedlich sein: Elektrisch', thermisch, magnetisch,optisch oder mechanisch. Das Paradebeispiel für ein smartes Material der Natur ist Haut, die sich nicht nur an Temperaturen anpasst, sondern in gewissem Maße auf selbst erneuern und reparieren kann. Ein Traum für Materialentwickler, die beispielsweise an selbstausbeulenden Stoßstangen arbeiten. Darüber hinaus gibt es eine schier unüberschaubare Menge an Materialien, die durch verschiedenste Eigenschaften sei es ein Formgedächtnis, die Fähigkeit zum Wärmeaustausch oder ähnliches bestechen.

Im Anschluss an den Vortrag hatten die Besucheiinnen und Besucher noch die Möglichkeit an Thementischen zu Holz, Textil, Metall sowie Oberflächen- und Formoptimierung tiefer in die Materie einzusteigen und vor allem zu erkennen, dass handwerkliche Fähigkeiten trotz aller digitalen Möglichkeiten noch immer wichtig sind. Margitta Schmidt arbeitet mit CAD, aber auch mit Erfahrung und handwerklichem Geschick, um Stoffen und Schnitten die gewünschten Eigenschaften zu verpassen. Und auch Thomas Schlüter von der HfG, der über Oberflächen- und Formoptimierung informierte, bevorzugt es, nicht nur ausschließlich am Computer zu arbeiten: „Man kann Sachen nur dann richtig gut testen, wenn man sie einmal in der Hand hat."


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