Presseartikel

Material und Digitales kombiniert Gmünder Tagespost - 11.07.2017

Material und Digitales kombiniert

Schwäbisch Gmünd Einen Einblick in die Welt der Materialien lieferte das Kreativ-Forum Ostwürttemberg, das Designer, Anwender und Studierende in die Schwäbisch Gmünder Hochschule für Gestaltung lockte. Einer der Schwerpunkte lag auf dem Spannungsfeld zwischen Materialeigenschaften und digitaler Anwendung. Die Feststellung, dass trotz aller virtueller Hilfsmittel das traditionelle, handwerkliche Materialwissen noch immer eine große Rolle spielt, wurde formuliert. Ein wichtiges und bedeutsamer werdendes Kompetenzfeld in der Region ist die Kultur- und Kreativwirtschaft. Deshalb hatten die Hochschule für Gestaltung (HfG), die Kontaktstelle Frau und Beruf Ostwürttemberg und die regionale Wirtschaftsförderung WiRO zum Kreativ-Forum Ostwürttemberg eingeladen.

HfG-Rektor Prof. Ralf Dringenberg wies darauf hin, dass es beim Design von Produkten stets darum gehe, einen bestmöglichen Nutzen für den Anwender zu bewirken. Dabei müsse der Designer wissen, welche Materialien überhaupt zur Verfügung stünden und welche Vor- und Nachteile diese mit sich brächten. Die um sich greifende Digitalisierung biete zwar immense Chancen, doch gelte es, immer auch die reale Arbeitswelt im Auge zu behalten.

Welche Materialien es gibt, wie diese sich verhalten und was sie alles können, zeigte Hannes Bäuerle, Geschäftsführer von „raumPROBE" in Stuttgart, der mit 60.000 Materialproben größten Materialbibliothek in ganz Europa. Er sprach davon, dass es aufgrund explodierender Materialvielfalt die große Kunst sei, im richtigen Moment das richtige Material zu finden. Besonders interessant seien „Smart Materials", die selbständig und mit positiven Effekten auf Einflüsse von außen reagierten. Eigenschaften zum Variieren können Farbe, Form, Transparenz, Wärme, Volumen oder die Fähigkeit, Energie und Materie auszutauschen, sein. Bestes Beispiel für ein solches Material sei die menschliche Haut. Neben zahlreichen anderen Beispielen nannte Bäuerle auch das Material, mit dem viele Menschen täglich in Verbindung kommen, nämlich die sensitive Glasoberfläche des Smartphones.

Die Idee zum Gestalten des Forums lieferte, so Carolin Morlock, der vom bekannten Kultursoziologen Richard Sennett geprägte Begriff „Craftsmanship", also der Handwerkskunst. Die Leiterin der Kontaktstelle Frau und Beruf Ostalbkreis erklärte, dass digitale Simulation kein ausreichender Ersatz für Sinneswahrnehmung sei. Materialbewusstsein entstehe durch handwerkliches Erfahrungswissen. Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, sich an Thementischen zu den Materialien Holz, Textil und Metall sowie zur Oberflächen- und Formoptimierung zu informieren und mit Experten auszutauschen. So kann zum Beispiel der Werkstoff Holz verschiedenste, kaum vermutete Formen und Ausprägungen vom genähten Holz bis hin zum Lignin annehmen.


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