Presseartikel

Lindenhalle hat Vorbildfunktion Heidenheimer Zeitung - 26.09.2017

Lindenhalle hat Vorbildfunktion

Gerstetten Die Frage, wie Holz als Baustoff wirtschaftlich nachhaltig eingesetzt werden kann, stand im Mittelpunkt des Regionalen Holzbautags, der inzwischen zum sechsten Mal stattfand. Knapp 100 Fachleute waren in den großen Saal im Gerstetter Bahnhotel gekommen. ,,Der Veranstaltungsort ist nicht zufällig gewählt", betonte Landrat Thomas Reinhardt in seiner Begrüßurigsrede: Hier könne man erleben, wie bewusst mit dem Rohstoff Holz gearbeitet werde. Gerstetten nehme eine Vorbildfunktion ein und zeige, dass es nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll sei, mit Holz zu bauen. Reinhardt wies auf den Waldreichtum der Region hin und auf den Zusammenschluss der Landkreise Schwäbisch Hall, Ostalbkreis und Heidenheim gemeinsam mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Region Ostwürttemberg (WiRO) zur „Initiative Holzkompetenz hoch drei". Diese Initiative habe nun auch den erstmals vergebenen Sonderpreis erhalten im Wettbewerb Holz-Pro-Klima des Landes Baden-Württemberg.

860 Hektar Wald befänden sich im Besitz der Gemeinde Gerstetten, stellte Bürgermeister Roland Polaschek die Gemarkung vor. Unter anderem verfüge man über 170 bis 200 Jahre alte, geschützte Buchenbestände. Bei den Themen Energiewende und Nachhaltigkeit habe man als Kommune eine Vorreiterrolle zu übernehmen, erläuterte der Bürgermeister die Motive von Verwaltung und Gemeinderat für die Entscheidung, bei modernen öffentlichen Bauwerken auf Holz als Baumaterial zurückzugreifen. Man hoffe, hier als Multiplikator wirken zu können, denn auch für private Bauherren sei Holz eine echte Alternative. Als konkrete Holzbauprojekte wurden an diesem Nachmittag unter anderem das vor rund vier Jahren komplett aus Holz erstellte Kinderhaus Pfiffikus, vor allem aber der aktuelle Neubau der Dettinger Lindenhalle vorgestellt. Nicht nur aus ökologischen Gründen habe sich die Holzbauweise als vorteilhaft erwiesen, zog Polaschek Bilanz: Auch im preislichen Vergleich schneide ein Holzbau sehr gut ab. Untersuchungen hätten außerdem belegt, dass es hinsichtlich der Gesamtnutzungsdauer keinen Unterschied zu üblichen Baumaterialien gebe. Aufgrund der guten Erfahrungen werde man auch das nächste Großprojekt, die Mehrzweckhalle mit Kindergarten in Gussenstadt, in Holzbauweise erstellen, betonte der Bürgermeister.

Nicht alles war machbar

Anschließend ließ sich das Fachpublikum von Ortsbaumeister Bernd Müller Hintergründe zum Bau der Lindenhalle, zur Planersuche und zur Entscheidung für einen Generalübernehmer erläutern. Müller zählte noch mehr Vorteile auf, von denen man beim Bau der Lindenhalle mit Holz profitiere,darunter eine relativ kurze Bauzeit und ein gutes Raumklima.

Dirk Oettel, Geschäftsführer der Projekt Holzbau Märkle GmbH, die den Bau der Lindenhalle als Generalübernehmer verantwortet, zog ebenfalls die Lindenhalle als beispielhaftes Objekt für den Bau einer Halle in Holzbauweise heran. Einige Herausforderungen habe man dabei bewältigen müssen. Manches, was auf dem Papier geplant war, habe sich in der Praxis nicht umsetzen lassen oder einige Kreativität erfordert. So gab es beispielsweise Bedenken, dass sich bei den Stützen in der ursprünglich geplanten Bauweise Risse im Holz bilden könnten, erzählte Oettel. ,,Um oben Spannung rauszunehmen, wurde die Stütze deshalb in das Fundament einbetoniert." Probleme bereitete auch die überhängende Galerie. ,.Die Konstruktion ist komplett nach oben gehängt", so der Holzexperte. Um das möglich zu machen, musste erst einmal ein zwei Meter langer Bohrer selbst konstruiert und geschweißt werden. Schwierig sei auch der Brandschutz gewesen - hier habe man ein Problem nicht lösen können: Ursprünglich war eine Komplettverglasung über Brandabschnitte hinweg vorgesehen. ,,Das ließ sich so nicht ausführen", bedauerte Oettel.


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